Hans Hartung – Original-Lithografie, signiert (13/75)
Zwei Welten koexistieren auf dem Blatt. Links eine dunkle Fläche, zerkratzt von ineinander verschlungenen Kreisen, die mit einem Schaber direkt in das Material eingearbeitet wurden; rechts fegt ein breiter Pinsel über die Oberfläche und bringt das Weiß des Papiers als Aussparung zum Vorschein. Dies ist typisch für die Art und Weise, wie Hartung in jenen Jahren an der Lithografie arbeitete: Werkzeuge (Schaber, Pinsel) zweckzuentfremden, um auf dem Stein die Nervosität seiner großen gemalten Formate wiederzufinden. Dieser Abzug ist im Werkverzeichnis von Rainer Michael Mason unter der Nr. RMM 431 verzeichnet. Er wurde in der Erker-Presse in St. Gallen gedruckt – dem Schweizer Atelier, in dem Hartung einen Großteil seiner intensivsten Forschungen zur Kratztechnik durchführte – und von der Galerie de France in Paris herausgegeben. Er ist zudem im Katalog Hans Hartung, Grafik aus der Erker-Presse 1973 (St. Gallen, Edition Erker, 1974) auf Seite 24 abgebildet. Man ordnet ihn natürlicherweise der gestischen Abstraktion und der École de Paris zu, an der Seite von Bram van Velde oder Pierre Soulages. Er findet auch seinen Platz in einem Interieur, das um Nachkriegs-Designmöbel herum konzipiert wurde. Gerahmt in einer schlichten, schwarzen Holzleiste, unter Schutzglas.
Eigenschaften
Künstler: Hans Hartung (1904-1989)
Technik: Original-Lithografie in Schwarz
Träger: Starkes Velinpapier
Signatur: Mit Bleistift unten rechts signiert
Auflage: Unten links nummeriert 13/75
Herausgeber: Galerie de France, Paris - gedruckt von der Erker-Presse, St. Gallen
Maße (Blatt): 76 x 105 cm
Maße (mit Rahmen): 79 x 109 cm
Referenz: L. 1973-30 Werkverzeichnis: Online-Werkverzeichnis RMM Nr. 431 / Hans Hartung, Grafik aus der Erker-Presse 1973, St. Gallen, Ed. Erker, 1974, S. 24
Erhaltungszustand :
Hervorragender Zustand
Der Blick von Studio Cinquante
Diese für das Werk von Hartung repräsentative Lithografie in hervorragendem Erhaltungszustand überzeugt durch ihre Ökonomie der Mittel. Ein Schaber, ein Pinsel und Hartungs gesamte Spannung findet auf einem Blatt Platz. Links drehen sich diese gekratzten Kreise in einer Schleife, fast wie eine Partitur, die man endlos wiederholt. Rechts schneidet der Pinsel scharf ab und lässt das Papier atmen. Ein Werk, das keiner großen Effekte bedarf, um zu beeindrucken.
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