Olivier Debré (1920 - 1999) oder die Definition des Raumes

Olivier Debré, 1920 in Paris in einer Familie von Ärzten und Künstlern geboren, begann 1938 ein Architekturstudium an der École des Beaux-Arts, bevor er sich endgültig der Malerei zuwandte. Seine frühen kreativen Jahre waren geprägt von einem figurativen Ansatz, der vom Impressionismus herrührte und sich später zu viel luftigeren Kompositionen mit großen Farbflächen entwickelte, was ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der gestischen Abstraktion machte. Seine Werke zogen bereits 1941 die Aufmerksamkeit von Pablo Picasso auf sich.

Von der Nouvelle École de Paris zum transatlantischen Dialog

Nach dem Krieg verwandelte sich seine plastische Vision im Kontakt mit der Avantgarde in Paris. Er lernte bedeutende Persönlichkeiten der Nouvelle École de Paris kennen, wie André Lanskoy – eine entscheidende Begegnung, die seiner Farbbehandlung neuen Schwung verlieh. Debré reihte sich in diese große Dynamik ein, neben anderen Meistern der Nachkriegsabstraktion wie Bram van Velde, Hans Hartung und Serge Poliakoff, die als Leitfiguren dieser Moderne leidenschaftlich gesammelt wurden. Seine Kompositionen lösten sich vom Realismus und orientierten sich an einer stärker ausgeprägten Struktur, die er auf seiner ersten Einzelausstellung in der Galerie Bing im Juni 1949 vorstellte.

In den 1950er Jahren entwickelte Debré eine einzigartige Handschrift: Er befasste sich mit dem Werk von Nicolas de Staël und übernahm zeitweise dessen Verwendung des Spachtels und reicher, monolithischer Impasto-Schichten, um seine Leinwände in einer monumentalen architektonischen Strenge aufzubauen. Sein Weg kreuzte sich damals mit dem führender Künstlerpersönlichkeiten, wie dem Galeristen Michel Warren, der ab 1956 seine wichtigen Einzelausstellungen in Paris organisierte. In derselben Zeit begann seine internationale Karriere: 1959 eröffnete er seine erste Einzelausstellung in New York in der Knoedler Gallery. Jenseits des Atlantiks bezeichnete die Kritik, wie Sydney Tillim in der Zeitschrift Arts 1959, seine Arbeit als „Maurerarbeit“. Diese Reise war auch geprägt von seiner Begegnung mit Mark Rothko, dessen weite Räume mit strahlenden Farblichtern seine eigenen Forschungen widerspiegelten.

Die Zeichenmalerei

Zurück in Frankreich entwickelte sich seine Geste flexibler. Der Künstler wandte sich immer größeren Formaten zu, bei denen die Farbe durch subtile Spiele fließender Säfte, die er frei laufen ließ, an Transparenz und Vibration gewann. In dieser fließenden und farbenfrohen Reife stellen seine Leinwände keineswegs die Darstellung einer Landschaft dar: Debré ruft das reine Gefühl hervor, das er im Kontakt mit einem realen Ort empfunden hat. Seine Werke werden so zu „Zeichenbildern“, die den grundlegenden Begriff des Ereignisses tragen: Die Malerei ist hier nicht die Herstellung eines einfachen Kunstobjekts, sondern die direkte und lebendige Spur eines geschehenen Ereignisses. Angesichts der Weite dieser Leinwände entfaltet sich die Erfahrung des Betrachters in einer intimen und fesselnden Bewegung: Vom Detail angezogen, wandert sein Blick, erhebt sich und erfasst allmählich die Gesamtheit des Werkes, vom Besonderen zum Globalen.

Als unverzichtbare Figur der Nachkriegskunst und des transatlantischen Dialogs erhielt Debré zahlreiche institutionelle Anerkennungen, von seiner ersten Retrospektive im Musée des Beaux-Arts in Le Havre 1966 bis zur großen Ausstellung in der Galerie nationale du Jeu de Paume 1995. Er setzte diese monumentale Meisterschaft in prestigeträchtigen öffentlichen Aufträgen um, darunter die Bühnenvorhänge der Comédie-Française und der Opern von Hongkong und Shanghai.

Olivier Debré, im Juni 1999 in Paris verstorben, kurz nach seiner Wahl in die Académie des Beaux-Arts, hinterließ das Werk eines Meisters, der unermüdlich den Schwingungen der Welt und des Lichts lauschte.

Biografische Quelle:

  • Œuvrekatalog von Olivier Debré.

  • Ausstellungskatalog Olivier Debré, Galerie nationale du Jeu de Paume, 27. Juni – 24. September 1995.

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