Roger Capron (1922 - 2006): Der Alchemist der Form und des Feuers
Roger Capron war nicht nur ein Keramiker; er war eine der führenden Persönlichkeiten, die das Töpferhandwerk in ein Manifest des modernen Designs verwandelten. Als zentrale Figur der Renaissance von Vallauris nach dem Zweiten Weltkrieg schuf er ein Werk, in dem die grafische Präzision seiner Pariser Ausbildung auf die sonnige Poesie des Mittelmeers trifft.
Entstehung einer Berufung: Von Paris nach Vallauris
Roger Capron, 1922 in Vincennes geboren, studierte bei René Gabriel an der École des Arts Appliqués à l’Industrie in Paris. Von diesem Meister der Wiederaufbaumöbel erbte er eine tiefe Überzeugung: Das Schöne muss durch qualitätvolle Serien für alle zugänglich sein. Im Februar 1946 floh er vor der Pariser Tristesse, ließ sich in Vallauris nieder und gründete zusammen mit Robert Picault das Atelier Callis. Jean Derval stieß im folgenden Jahr hinzu. Gemeinsam hauchten sie den überlieferten Techniken mit einer neuen kreativen Energie neues Leben ein.
Die Begegnung mit Picasso und der Aufstieg des Capron-Stils
Das Jahr 1946 war geprägt von einer entscheidenden Begegnung am Strand von Golfe-Juan: der mit Pablo Picasso. Capron schöpfte aus der Kühnheit des spanischen Meisters eine Freiheit des Tons und eine Ausdruckskraft, die ihn dazu drängten, sich von der lokalen Folklore zu lösen. Er entfernte sich vom traditionellen Töpfern und bevorzugte das Gießen – eine Technik, die es ihm ermöglichte, die reine Form zu beherrschen und seine berühmten geometrischen Muster zu entwickeln. 1952 gründete er seine eigene Manufaktur in „Font des Horts“. Dies war der Beginn eines fulminanten internationalen Aufstiegs, der 1954 mit einer Goldmedaille auf der Mailänder Triennale ausgezeichnet wurde.
Ein Werk aus mehreren Händen
Ab 1955 wurde seine Frau Jacotte (Jacqueline Hubin) zur künstlerischen Drehscheibe des Ateliers. Während Roger die Linien und Volumina entwarf, hauchte Jacotte den Stücken mit ihrem Genie für Farben und Dekore Leben ein. Gemeinsam bildeten sie ein unzertrennliches Duo und erkundeten alle Dimensionen der Erde:
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Die Formstücke: Vasen, Krüge und Flaschen mit freien Linien, verziert mit den berühmten „karierten“ oder „punktierten“ Dekoren.
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Die architektonische Keramik: Capron verließ das Objekt für den Raum und schuf monumentale Fresken (z. B. für den Fährhafen von Cannes oder das Hôtel Byblos in Saint-Tropez).
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Die Möbel: Seine Couchtische aus Steinzeugfliesen, eingelegt mit Herbarien oder „Navettes“-Motiven, wurden zu Ikonen des Lifestyles der 60er und 70er Jahre.
Das Erbe und die finale Skulptur
Nachdem er eine Manufaktur mit über 100 Mitarbeitern geleitet hatte, kehrte Roger Capron in den 80er Jahren zu einer intimeren, skulpturalen Praxis zurück. In Zusammenarbeit mit seinem Sohn Philippe experimentierte er mit Raku und schuf ein fantastisches Bestiarium von Rundplastiken, die sowohl archaisch als auch zutiefst modern waren. Er verstarb 2006 und hinterließ ein monumentales Werk, das heute weltweit von den bedeutendsten Institutionen gefeiert wird – vom Musée National de la Céramique de Sèvres bis hin zu namhaften Privatsammlungen.
Der Geist von Studio Cinquante
Für Studio Cinquante ist die Aufnahme von Roger Capron in seine Sammlungen eine ästhetische Selbstverständlichkeit: Dieser Künstler verbindet die Radikalität des Nachkriegsdesigns mit einer taktilen Sinnlichkeit. Er bietet unseren zeitgenössischen Innenräumen das Edelste, was Vallauris hervorgebracht hat: eine Modernität, die niemals die menschliche Hand verleugnet.