André Lanskoy – Der Alchemist der Lyrischen Abstraktion

André Lanskoy (1902-1976)

André Lanskoy ist eine der herausragenden Figuren der École de Paris. Sein künstlerischer Werdegang, geprägt von einer schrittweisen Entwicklung von der Figuration zu einer dichten, vibrierenden lyrischen Abstraktion, macht ihn zu einem der bedeutendsten Akteure der europäischen Nachkriegskunst.

Ein europäisches Schicksal

Geboren in Moskau als Spross einer aristokratischen Familie, verließ André Lanskoy Russland nach der Revolution von 1917 und ließ sich 1921 in Paris nieder, nachdem er den antibolschewistischen Kräften gefolgt war. In der französischen Hauptstadt besuchte er die Académie de la Grande Chaumière, wo er sich künstlerisch frei entfalten konnte. In dieser Zeit malte er nach der Natur und begegnete Michail Larionow, der ihm half, in die Pariser Kunstszene einzutauchen.

Seine erste Einzelausstellung fand 1924 in der Galerie La Licorne statt, wo seine Werke an der Seite von Künstlern wie Chaïm Soutine präsentiert wurden. Seine Anfänge waren von einer expressiven figurativen Malerei geprägt. Ein entscheidender Wendepunkt vollzog sich Ende der 1930er-Jahre, insbesondere nach der Entdeckung des Werks von Wassily Kandinsky. Zwischen 1938 und 1940 schuf er eine Serie von Gouachen, die seinen Weg in die Abstraktion ebneten. Dieser Wandel wurde Anfang der 1940er-Jahre (ca. 1942–1944) endgültig, als er die Figuration vollständig aufgab.

Ein umfassendes kreatives Spektrum

Lanskoy beschränkte sich nicht auf die Leinwand; er erforschte zahlreiche Medien in einer unermüdlichen Suche nach Farbe, Rhythmus und Licht:

  • Ölmalerei: Seine Leinwände zeichnen sich durch eine dichte Materie und eine Konstruktion aus farbigen Facetten aus, die oft mit einem leuchtenden Mosaik verglichen werden.

  • Arbeiten auf Papier (Gouachen, Collagen): Die Gouache nahm einen zentralen Platz in seinem Schaffen ein und ermöglichte ihm die freie Erkundung von Farbbeziehungen. Zudem entwickelte er eine bedeutende Praxis in der Collage und im Papierschnitt.

  • Druckgrafik (Lithografie): Als bedeutender Lithograf nutzte Lanskoy dieses Medium als Experimentierfeld für Transparenzen und komplexe Farbschichtungen.

  • Tapisserie und Mosaik: Ab den 1950er-Jahren arbeitete er mit der Manufaktur von Aubusson an Tapisserie-Entwürfen. In den 1970er-Jahren widmete er sich intensiv dem Mosaik, insbesondere für die Universität von Rennes, und vertiefte diese Technik während eines Aufenthalts in Ravenna.

  • Das illustrierte Buch: Zu seinen Meisterwerken zählt die Interpretation von Nikolai Gogols „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“ (1950er–1960er Jahre) – ein monumentales Projekt aus Collagen, Gouachen und lithografischen Suiten.

Das Erbe in der Sammlung „Studio Cinquante“

Die Werke von Lanskoy in unserer Sammlung, insbesondere seine signierten Lithografien und chromatischen Kompositionen, zeugen von der perfekten Balance zwischen Struktur und Spontaneität. Sie verkörpern seine Suche nach einer plastischen Sprache, die auf Rhythmus und Farbe basiert – jedes Werk ist ein visuelles und sinnliches Erlebnis.

„Es gibt zwei Dinge, die zählen: die Rhythmen und die Formen. Es ist das Zusammenspiel der Rhythmen, das die Formen entstehen lässt.“ — André Lanskoy

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