
Der Begriff der modernen Kunst oder der Kunst des 20. Jahrhunderts erscheint aufgrund seiner Weite nahezu bedeutungslos. Fauvismus, Jugendstil, Art Déco, Lyrische Abstraktion… Die Vielzahl der Stile, Techniken und Manifeste kann schnell schwindelerregend wirken.
Die Nachkriegskunst nimmt dabei einen einzigartigen Platz ein: Sie scheint uns sowohl weit entfernt als auch erstaunlich nah. Man kann sie über einen sehr einfachen, zugleich offensichtlichen und verblüffenden Ansatz erfassen, der den wahren Schlüssel zum Verständnis vieler Künstler dieser Epoche darstellt.
Ob Sie ein neugieriger Kunstliebhaber oder ein angehender Sammler sind: Hier sind die drei Schlüssel, um in diese faszinierende Welt einzutauchen.
1. Sich von seinen Emotionen leiten lassen (ohne Wertung)
Blickwinkel der Empfindung: Der erste Kontakt mit einem Nachkriegswerk kann zutiefst sensorisch sein. Nehmen wir die Lyrische Abstraktion: Ohne einen versteckten Sinn entschlüsseln, eine komplexe Komposition verstehen oder historische Bezüge suchen zu wollen, stellen Sie sich einfach vor ein Werk von Alfred Manessier oder Pierre Soulages. Lassen Sie sich davon mitreißen, was das Bild in Ihnen auslöst. Es ist zuerst ein visueller Schock, dann eine physische Resonanz, die mit Material, Farbe oder Licht verbunden ist.
Blickwinkel des Spiels und des Einfallsreichtums: Man kann sich dieser Periode auch über Augenzwinkern und Poesie nähern. Man denke an den monumentalen Tarot-Garten (Giardino dei Tarocchi) von Niki de Saint Phalle, an die Akkumulationen von Arman oder an die Umdeutungen der Nouveaux Réalistes. Hier gibt es eine rein spielerische Dimension, die auch heute noch begeistert oder Fragen aufwirft: diese einzigartige Fähigkeit, die alltäglichsten Materialien, Träger und Objekte unseres Alltags mit neuen Augen zu betrachten.
Blickwinkel des Politischen: Schließlich spricht die Nachkriegskunst ganz direkt zu uns durch Bezüge, die unsere aktuellen Anliegen widerspiegeln. Dies ist der Fall bei Andy Warhol und den Vertretern der Pop Art, deren Werke – wie hochaktuell sie doch sind – bereits auf beißende Weise unsere Konsumgesellschaft, den Personenkult und die Kultur der kurzlebigen Prominenz hinterfragten.
2. Die Wahl der „Multiples“: hochwertige Serienproduktionen
Die gerade genannten Künstler sprengen regelmäßig die Auktionsrekorde und scheinen unerschwinglich zu sein. Doch eine der schönsten Konstanten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts liegt im unbedingten Willen der Künstler, Kunst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ohne dabei die hohen Qualitätsansprüche der Produktion zu vernachlässigen.
Es ist die Ära der „Multiples“ und der technischen Innovationen:
Druckgrafik für alle: Pioniere haben die Konventionen gebrochen, indem sie Kunst dort einführten, wo man sie nicht erwartete. Das ist die Geschichte von Jacques Putman, der ab 1967 in Zusammenarbeit mit den beliebten Prisunic-Kaufhäusern jedem ermöglichte, originale, signierte Lithografien bedeutender Künstler (wie Jean Messagier, Pierre Alechinsky oder Bram Van Velde) für nur 100 Francs zu erwerben.
Das goldene Zeitalter der Keramik in Vallauris: Im Süden Frankreichs ließen Künstler wie Roger Capron die Feuerkünste erstrahlen. Um seine organisch geformten Stücke massenhaft zu verbreiten, ließ Pol Chambost bereits Ende der 1940er Jahre einen hochmodernen elektrischen Tunnelofen in seinem Atelier in Ivry-sur-Seine installieren. Diese technische Meisterleistung ermöglichte es ihm, seine Emaillen industriell zu brennen und dabei eine absolute ästhetische Finesse zu bewahren, um die Pariser Kaufhäuser zu beliefern.
Schönheit für jedermann: Diese Philosophie entspricht perfekt dem Leitspruch des berühmten Designers René Gabriel: „Schönes für jedermann zugänglich machen“. Genau denselben Anspruch finden wir bei den großen Möbeldesignern der damaligen Zeit wie Eero Saarinen oder Charles Eames, die technische Innovationen (wie geformten Kunststoff oder Glasfaser) in den Dienst einer qualitativen Massenproduktion stellten.
3. Die Frage des Preises und der tatsächlichen Zugänglichkeit
Heute war es noch nie so einfach, eine Kunst- oder historische Designsammlung zu beginnen. Die großen Namen des 20. Jahrhunderts sind buchstäblich nur einen Klick entfernt – oft zu deutlich günstigeren Preisen, als man gemeinhin annimmt.
Einige konkrete Beispiele:
Durch den Erwerb eines lithografischen Ausstellungsposters oder eines originalen Siebdrucks ab 150 € können Sie sich ein kleines Stück Kunstgeschichte aneignen – zum Beispiel mit einem grafischen Werk von Ladislas Kijno, einem wahren Vorreiter der Street-Art mit seinen Sprühdosentechniken.
Im Möbelbereich bietet der Vintage-Markt eine brillante Alternative zur zeitgenössischen Standardisierung. Der Kauf eines authentischen Couchtisches aus den 60er Jahren aus Vallauris-Keramik oder eines Designerstuhls aus gebogenem Holz kostet nicht mehr als ein Bausatzmöbel eines bekannten blau-gelben Möbelhauses.
Der Unterschied? Sie nehmen ein Objekt mit nach Hause, das Geschichte atmet, eine einzigartige Patina besitzt und über die Jahre nicht an Wert verlieren wird. Sammeln bedeutet vor allem, sich den Luxus eines dauerhaften Lieblingsstücks zu gönnen.
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